Presse

Pressestimmen zum "Tailfinger Totentanz"

SWP, 29.01.2010: Kunst gegen das Vergessen

SWP, 18.01.2010: Tod und Endlichkeit nicht vergessen

GEA, 23.09.2009: Memento Mori

Weitere Pressestimmen zum "Tailfinger Totentanz" finden Sie unterhalb der Jazzkonzerte.

 

Pressestimmen zu den Jazzkonzerten

SchwaBo, 11.10.96:

Was die Soloimprovisationen Brandners vor allem auszeichnet: er beherrscht die Klaviatur der Gefühle, vermag gleichermaßen Stimmungen aufzunehmen und Atmosphäre zu schaffen und den Zuhörer anzurühren. (clz)

ZAK, 19.10.96:

Einer der Höhepunkte des Abends war ohne Zweifel eine der Eigenkompositionen, die Brandner zum Besten gab. In dieser wurden neben dem Flügel auch indische Perkussionsinstrumente eingesetzt, und der Klangkörper des Flügels kurzerhand als Rhythmusinstrument zweckentfremdet. Hier zeigte sich das volle Können des Musikers, der auch ansonsten am liebsten auf experimentellen Pfaden wandelt. Das Publikum war begeistert und ließ Brandner erst nach drei Zugaben unter Wogen von Beifall die Bühne verlassen. (Marc Schleiß)

SchwaBo, 11.12.01:

Ein Piano nur, und doch vermittelt es den Eindruck, als musizierten da verschiedene Instrumente miteinander. Präzise und hart ist der Anschlag, jeder Ton im schnellsten Lauf wie gestochen, scharf die Punktierungen - Wolfgang Brandner spielt keinen Schmusejazz. Wie differenziert er aber gestalten kann, zeigt die Auswahl seiner Stücke. "Crystal Silence" klingt wie eine Meditation, perlende Töne beschreiben "April Joy", weich und gesanglich ertönen die Motive bei "Black Orpheus". (sb)

ZAK, 12.12.01:

Wolfgang Brandner improvisiert gekonnt, sauber, akzentuiert, konzentriert und mit der Virtuosität eines Pianisten, der die klassische Schule durchlaufen hat. Das Werk von Johann Sebastian Bach hat ihn ebenso beeinflusst wie die modernen Klassiker Claude Debussy und Bela Bartok. Keith Jarrett, Wayne Shorter, John Coltrane und Chick Corea fügen sich nahtlos in die Reihe ein, denn Wolfgang Brandner stellt auf seiner CD "My Favourites" die lyrische, meditative, sensible Seite dieser Jazz-Ikonen vor. (Gudrun Stoll)

SchwaBo, 17.11.03:

Ein Konzert, das Aufmerksamkeit erfordert. Einmal für die Differenziertheit der Stücke selbst, diese selbstvergessenen Melodien, die spielerischen Triller, mächtigen Akkorde, diese gleichförmigen Basslinien, die immer wieder ihre Funktion als rhythmisches Fundament verlassen und zu gleichberechtigten Partnern werden. Aufmerksamkeit für die höchst differenzierte Gestaltung des Anschlags, von hart, messerscharf bis zum gefühlvollen Legato, vom kraftvollen in die Tasten Greifen bis zum lakonisch kurzen Setzen eines Schlusstons. Das begeisterte Publikum erklatschte sich Zugaben und hofft auf ein neues Jazz-Konzert mit Wolfgang Brandner. (Ute Büttner)

 

Weitere Pressestimmen zum "Tailfinger Totentanz":

"Totentanz Aktuell", Mitteilungsblatt der Europäischen Totentanz-Vereinigung, November 09:

Der Komponist Wolfgang Brandner sorgte unlängst mit Gummidichtungen, Schrauben und Wäscheklammern dafür, das man den Totentanz nicht nur sehen, sondern tatsächlich auch hören kann. Sein Werk beginnt klassisch. Es erinnert an Johann Sebastian Bachs Tanzsuiten, bis die Saiten des Klaviers wie Fäden in der Spinnerei surren und rhythmisches Scheppern einsetzt, wenn die Maschine ein Opfer fordert. Als Unterhaltungsmusik bezeichnen würde ich das nicht, aber dem aufgeschlossenen Publikum bietet sich gerade in Verbindung mit Zirkelbachs Bildern ein Hörgenuss der besonderen Art. Die Firma Wenger Graphik Design hat die CD übrigens wunderschön ausgestaltet.

Reutlinger Generalanzeiger, 23.9.09: Memento Mori

Was die Qualität ihrer Arbeit angeht, können der Musiker und der bildende Künstler als ebenbürtig gelten. Zeigt Zirkelbachs "Der Weber" ein Skelett, das scheinbar unbeeindruckt vom eigenen Tod am Webstuhl sitzt und gewissermaßen weiter ins Leere produziert, übersetzt Brandner dieses gespenstische Bild in eine klassisch anmutende Allemande, in der ein hölzern-blechernes Pochen, ein mechanisches Ächzen, Reiben und Schaben zunehmend die Oberhand gewinnt. Erstaunlich wie ein paar zwischen die Saiten oder Hämmer geklemmte Schrauben, Wäscheklammern und Gummidichtungen den Klavierklang verändern können.... Eine schwindelnd machende Gigue skizziert den "Spieler", ein Skelett, das in Zirkelbachs Darstellung mit Knochen Geige spielt und sich dabei, wie gefangen in einer Rundstrickmaschine, um die eigene Achse dreht, wobei die Kopfbedeckung an eine Garnspindel erinnert. "Finale - Die Maschine fordert ihre Opfer" nennt Brandner das abschließende Stück. Inspiriert von Zirkelbachs "Human Rundstricke 1-3" gleicht die Musik einer schaurigen Achterbahnfahrt, die mit gruseligen Orgeltönen endet. (Chr.B. Ströhle)

SchwaBo, 6.11.09: Museum bittet zum Totentanz

Albstadt-Tailfingen. Für eine Vernissage unter der Überschrift »Tailfinger Totentanz« war die Stimmung auffallend fröhlich gestern Abend im Maschenmuseum. Grund war große Kunst -bildende und kompositorische.
»Eigentlich ein Schocker« seien die Bilder von Helmut Anton Zirkelbach, die Wolfgang Brandner mit seinem eigens komponierten Werk »Totentanz«, einer Suite in sechs Sätzen, zum Leben erweckte, war gestern Abend bei der Vernissage zu hören. Gemeinsam haben die beiden ein ebenso morbides wie lebendiges Gesamtkunstwerk geschaffen. Ein Widerspruch? Nein, denn Zirkelbachs Radierungen und großflächigen Bildobjekte auf Holz zeigen zwar Totenschädel, doch die Körper darunter könnten lebensechter kaum sein, wie die selbstbewusste Frauengestalt mit dem durchtrainierten Oberkörper, die in einem roten Kleid »La danse Macabre« aufführt, den Totentanz, den die Tailfinger Maschenindustrie nur teilweise erlebt hat. Wie sich deren Zustand beschreiben ließe, darüber sei im Vorfeld der Ausstellung heftig diskutiert worden, verriet Museumsleiterin Susanne Goebel und betonte: Die Ausstellung sei keine objektive Zustandsbeschreibung, sondern vielmehr eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema. Wobei die Kunst dem Betrachter schon einiges zumute, so Goebel. Doch sie zeige auch: Not kann erfinderisch machen. Und der Tod könne darauf verweisen, was wirklich zählt.
Auf Zirkelbachs Blättern »Human Rundstricke« tanzen die Schädel um die Maschinen oder verbinden sich mit ihr. Auf »Hier bin ich« kokettiert eine tote Frau in Dessous. Und »Der Spieler« spielt Violine auf Knochen. Henner Grube führte in die Bilder ein.
Ebenso einzigartig im Ausdruck, in der technischen Perfektion, wie Zirkelbachs Werk war das Wolfgang Brandners, das er eigens für dieses Ereignis komponiert hat. Auf Klavier und E-Piano spielte der Pianist eigenartige, durch präparierte Klavierseiten verfremdete Barocksuiten, stieg in den schnellen, ja rasenden Rhythmus der Strickmaschinen ein, zauberte aber auch bizarre, verzerrte Klänge hervor, die das Makabre des Themas eindrucksvoll heraufbeschwörten. Was er vor seinem geistigen Auge gesehen hat beim Komponieren, verrät Brandner hinterher, als er - von Wissbegierigen umringt - sein präpariertes Klavier erklärt: Skelette, die durch Fabriksäle tanzen, mit Schrauben um sich werfen. Und so wirkt die Musik wie der Tanz auf dem Vulkan vor dem Ende und der Tanz in der Gruft danach. (Karina Eyrich)

Fränkische Nachrichten, 28.1.10: Kunst gegen das Vergessen

Stilistisch schöpft das Werk ebenfalls aus unterschiedlichen Quellen, indem es sich einerseits an die Form einer barocken Tanzsuite nach Art von Johann Sebastian Bach anlehnt, andererseits wesentliche Elemente des Jazz, des Blues und nicht zuletzt der experimentellen Klang-Avantgarde eines John Cage mit einbezieht. Aus diesem Formenarsenal entwickelt Brandner als Komponist und virtuoser Interpret seiner selbst eine eigene, vor allem aus ostinaten Motivwiederholungen bestehende, energetisch dichte und motorische (zwischendurch auch mal feierlich schleppende) Tonsprache, die suggestiv und eindringlich den starren, mechanischen Rhythmus der Maschinenwelt zur Anschauung bringt.

In den verfremdeten Perkussionsklängen des präparierten Klaviers hört man die alten Webstühle und Wirkmaschinen schleifen und klappern - oder sind es Totengebeine auf einem nächtlichen, mondbeschienenen Kirchhof?

Zuletzt mündet Wolfgang Brandners "Tailfinger Totentanz" in ein entfesseltes Furioso tanzender Rhythmen, vom Spieler an zwei Manualen gleichzeitig herausgehämmert, und klingt aus in einer mächtig pulsierenden elektronischen Orgelcoda, aus deren Akkorden man zuweilen das alte "Dies irae"-Thema herauszuhören meint.